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Anton erfindet elektronische Sehhilfe für seine Oma


Zwölfjähriger Schüler aus Kaltenkirchen gewinnt Technik-Preis beim Landeswettbewerb Jugend forscht. Jetzt tüftelt der Waldorf-Schüler an seinem nächsten Projekt.

Eigentlich müsste Anton Daniel heißen. Daniel Düsentrieb. Gerade mal zwölf Jahre ist der Junge aus Kaltenkirchen alt und bastelt und tüftelt so fleißig wie der Erfinder aus den Comics von Walt Disney. Gemeinsam haben die beiden auch den Sinn fürs Praktische: So erfand Düsentrieb die Brotschmiermaschine, Anton die dritte Brille für seine Oma. Damit gewann der Siebtklässler der Waldorfschule beim Landeswettbewerb Jugend forscht im Bereich Technik den ersten Platz. Und endgültig das Herz seiner fast blinden 89 Jahre alten Oma, die inzwischen nahezu täglich Antons Online-Sehhilfe nutzt. Sie spricht von einem "Wunder".

Die Rentnerin wohnt allein, kommt leidlich zurecht, doch mit dem Lesen klappt es nicht mehr. Immer wieder musste sie bei Anton, seinen Eltern oder anderen Mitgliedern der Familie anrufen und um einen Besuch bitten, wenn es wieder einen Text zu entziffern gab.

Das geht jetzt alles viel schneller – dank Anton. 80 Euro hat der Schüler in eine kleine Kamera, einen Minicomputer, eine Prepaidkarte und einen Surfstick investiert, alles geschickt in einem ausrangierten Holzelement für Schallschutz installiert und damit Omas neue Sehhilfe geschaffen.

Sie legt einfach die Benachrichtigung des Schornsteinfegers unter die Kamera und drückt auf einen Knopf. Sekunden später erhalten Anton, Mutter Petra, Vater Nick und Antons Cousine eine Mail mit dem Foto der Karte als Link im Anhang. Öffnet einer der Empfänger die Datei und ruft Oma an, um den Text vorzulesen, erhalten die anderen die Nachricht "erledigt". Vor Kurzem schickte Oma ein Foto vom Etikett einer Putzmittelflasche. Sie war sich nicht sicher, ob sie den Behälter mit dem flüssigen Blumendünger erwischt hatte.

Ein halbes Jahr hat Anton an dieser besondern Fernbrille gearbeitet. Sie funktioniert, ohne dass seine Oma Internet im Haus installieren oder sich mit einem Handy beschäftigen muss. Ein Knopfdruck reicht. "Das ist wirklich seniorengerecht", sagt Mutter Petra. Ein weiterer Vorteil: Nahezu täglich telefoniert die alte Dame mit einem Mitglied ihrer Familie und freut sich über die Gespräche zwischen den Besuchen.

Antons Mutter, eine Architektin, spricht von einer fürsorglichen Idee ihres Sohnes. Vater Nick, Informatikspezialist, konnte mit ein paar Tipps helfen, doch weitgehend hat der Zwölfjährige seine Erfindung allein realisiert. Sein Arbeitsplatz war der Esstisch, dort war genügend Platz. Mit der Theorie machte er sich in der Fachliteratur vertraut. Regelmäßig beobachtete Mutter Petra, wie Anton dicke Bücher aus der Stadtbücherei holte, las und nebenbei eine Programmiersprache lernte.

Außer dem mit 150 Euro dotierten Preis von Jugend forscht erhielt Anton einen Sonderpreis der Christoffel-Blindemission in selber Höhe. Anton hat die Preisgelder gleich in sein nächstes Projekt investiert und ein altes Telefon ausgeschlachtet. Für seine Oma bastelt er an einem sprachgesteuerten Telefon inklusive Telefonbuch. Das Projekt soll ohne Handy funktionieren. "Das wird wieder eine kleine Kiste", verspricht Anton Lefel.

Einen weiteren Preis hat Kaltenkirchens junger Düsentrieb erst vor wenigen Wochen gewonnen. Anton bastelt nicht nur, er musiziert auch. Für seinen Auftritt am Klavier beim Wettbewerb Jugend musiziert errang er ebenfalls den Landessieg und hat sich damit für den Bundeswettbewerb im Juni in Paderborn qualifiziert. Und was kann er noch? "Geocaching, schwimmen und Pizza backen!" Und was nicht? "Fußballspielen."

Wer Interesse an der Fern-Brille hat, sollte sich per Mail unter anton.fernbrille@gmail.com melden.

Quelle: Hamburger Abendblatt

Link zum Originalartikel Hamburger Abendblatt

Veröffentlicht am 24.04.2017
Veröffentlicht von Team_AMDNetz
Themen: Projekte, Hilfsmittel

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